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Anzeigentext von: Hansjörg Schmid, Anwalt, Berlin 
Kleine Alltagsfluchten
Kleine Geschichten von Hansjörg Schmid
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Ungefragte Erklärungsversuche?

Trotz meiner Freude an gelegentlicher harter körperlicher Arbeit gibt es auch unerfreuliche Tage und heute ist einer davon: Wir sind zu Fünft in der Umzugskolonne. Zwei LKW, ein Trupp mit dem Kolonnenführer, die schon seit Jahren zusammenarbeiten und zwei "Springer" (also Gelegenheitsarbeiter) – einer davon bin ich.
Vielleicht kennen Sie das: Es ist eigentlich alles machbar, wenn man es gemeinsam anpackt und sich gegenseitig hilft. Der Umzug heute hat es in sich: Über 10,5 Meter Ladung, über 120 Kartons, das Ganze 5 Stockwerke runter und später mit Laufstrecke in das neue Haus. Das heißt Laufen bis zum Anschlag über Stunden und Pause nur zum Luftholen. Meine Oberschenkel spüre ich noch Tage danach. Da hilft jeder kleine Flachs, jede hilfreiche Geste ... dann läuft es.
Aber leider haben wir es mit einer Führungstruppe zu tun, bei denen jede neue (Aus)Hilfe zu stören scheint. Es gibt keine Anweisungen, keine Abreden, keine Kommunikation – man redet nicht miteinander. Der Kolonnenführer mault nur rum, wenn er was sagt und dann sagt er: "Muss man denn alles sagen?" Führungsintelligenz der eigenen Art - wie gesagt: Vorher hat er gar nichts gesagt !
Die Kunden sind dagegen ganz das Gegenteil: Nett, freundlich, sehr um uns bemüht. Es gibt Getränke und immer etwas zum Essen. An der Entladestation am frühen Nachmittag wird ein richtiges Buffet aufgebaut. Da findet sich alles, was man sich bei solcher Arbeit zum Essen wünscht. Am Abend haben wir es geschafft. Der Kolonnenführer geht ins Haus, rechnet ab, der Kunde bezahlt bar, wir verabschieden uns bei den Kunden und fahren zurück in die Firma.
Beim Ausladen und Einrangieren der LKWs auf dem Hof kommt der Kolonnenführer zu uns beiden "Springern", lächelt (zum ersten Mal an diesem Tag) und gibt uns je 5€. "Hat leider nicht mehr Trinkgeld gegeben." Kennen Sie dieses komische Gefühl ? Jemand fängt an, ungefragt Erklärungsversuche abzugeben und Sie fragen sich (mit diesem komischen Gefühl): "Warum erzählt er mir das ungefragt, wo er doch sonst nichts mitzuteilen hatte?" oder "Wenn ich ihn nicht gefragt habe, wer hat ihn dann gefragt?" Vielleicht sein Gewissen? Ich kann nur aus meiner Erfahrung sagen: Bei solchen Kunden und der Arbeit ist das wirklich ein geringes Trinkgeld. Aber ... ich habe ja nicht gefragt !!

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